Hirnblutung, danke sagen.

Jahrestag meiner Hirnblutung

4.6
(5)

Vor einem Jahr ist das passiert, was nicht nur mein eigenes Leben für immer verändert hat! Meine Hirnblutung.

Alles wirklich alles, ist seit dem 15.10.2019 nicht mehr so wie es war. Ich habe einige demütigende Dinge erlebt, die ich mir nie hätte träumen lassen.

Ich bin in einigen (wenn auch wenigen) Dingen nach wie vor auf Hilfe angewiesen, also abhängig und kann nicht so agieren wie ich möchte.
Eigentlich ist so ein Jahrestag ja immer etwas schönes, obwohl meine Frau immer sagt „Wir können etwas schönes feiern. Du lebst!“

Unser ganzes Leben hat sich verändert. Meine Frau musste ihren gesamten Alltag umstrukturieren, damit sie mich unterstützen konnte.
Da ich kein Auto mehr fahren kann/darf, muss sie mich z.B. zu Arztterminen oder Therapien hinfahren. Dies muss alles vor oder nach ihrer Arbeitszeit stattfinden – gar nicht so leicht! Zudem trägt sie nun die Verantwortung, sie strukturiert nicht nur mich, sondern unser gesamtes Leben. Termine, Einkaufen, den Papierkram, das Finanzielle usw. all das muss nun sie alleine machen.
Dabei stößt auch sie oft an ihre Grenzen. Ohne die Unterstützung ihrer Familie, hätte sie die ganze Zeit nicht durchgehalten. Ich versuche so gut es geht zu helfen, aber vieles kann ich nicht mehr. Ich fühle ich mich dann oft als Belastung für sie, obwohl ich es nicht bin.

Der geplante Weg geht nicht mehr, aber wir nehmen einen anderen.

Meine Frau

Manchmal schwer zu akzeptieren, aber wir spielen uns ein.
Sie ist wirklich die Beste, dass sie trotz allem noch da ist, ist das allerbeste! Ich liebe dich.


Ich habe viele Erkenntnisse gewonnen über mich und mein Leben. 
Manche Aha-Erlebnisse waren echt gut, andere waren eher traurig.
Das mein altes Leben nicht mehr da ist, war zu Anfang erschreckend und beängstigend.
Jetzt ist es ok, nur bewegen, bewegen möchte ich mich so wie früher und das unbedingt. Das dies aber nicht mehr möglich sein wird, ist mir bewusst. Ein bisschen wie ein Kettenhund, angebunden aber gern raus und frei sein.

Am Anfang dachte ich der 15.10. wäre optimal gewesen um diese Erde zu verlassen. Angst vor dem Tod hatte ich nie.

Du hast schon ziemlich heftig an die Tür geklopft dort oben, aber dein Vater hat sie wieder zugeschmissen und gesagt Noch viel zu früh!

Meine Frau zu mir als es mir im Krankenhaus besser ging.

Ich bin nicht gläubig, aber das ist schon eine interessante Vorstellung.

Viele Dinge laufen ganz gut, ich habe viel über mich gelernt und tue es noch.
Ich bin nicht mehr der Mensch der ich war.
Tatsächlich werden die hochtrabenden Ziele, die man so hatte, völlig unwichtig. Andere Dinge stehen dann jetzt an erster Stelle, sind wichtiger geworden. 
Ich bin viel schneller erschöpft als früher, kann nicht mehr so viel ab wie ich es von mir kannte, brauche viel Ruhe oder Aktivitäten die gemäßigt sind. Ich erkenne mich oft nicht. Manchmal schaue ich in den Spiegel und denke wer bist du?

Vieles ist einfach nur noch ein Kampf ( auch wenn es von außen vielleicht nicht so wirkt). Manchmal ist mir der Kampf allerdings zu anstrengend und ich bin müde und frage mich, wozu das alles? Ich bin noch am Leben, darum denke ich, es kommt noch was, ich werde noch gebraucht so wie ich bin. Wir werden sehen.

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